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Wesel / DuisburgDienstag, 01. März 2011

Anklage nach Cyber-Angriff auf US-Stars

Weil sie Computer im Umfeld von US-Popstars gehackt haben sollen, müssen sich zwei junge Männer aus Wesel und Duisburg bald vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft erhob jetzt Anklage gegen den 18-jährigen Deniz A. und den 23-jährigen Christian M.. Das bestätigte einer der Anwälte, der die rund 50 seitige Anklageschrift erhalten hat. Es geht um rund 270 Urheberrechtsverstöße.

Lady Gaga bei der Monster Ball Tour 2010

Die Beiden sollen sich unter anderem auf die Computer von Lady Gaga, Kesha und Justin Timberlake gehackt haben. Sie stahlen angeblich unveröffentlichte Songs und verkauften sie im Internet. Laut den Ermittlern erzielten die Hacker Gewinne im fünfstelligen Euro-Bereich. Der wirtschaftliche Schaden für die Stars sei jedoch weitaus höher, vor allem wegen der rasanten Verbreitung im Internet.

Mit einem gestohlenen Sexfoto soll der 18-Jährige zudem einen der Stars erpresst haben. Der Jugendliche DJ habe Kehsa dazu genötigt, eine Empfehlung für ihn ("DJ Stolen") im Internet auszusprechen. In Fachkreisen heißt das „shout-out“. Er soll damit gedroht haben, andernfalls das Foto zu veröffentlichen. Zudem seien private Mails ausspioniert worden, so die Ermittler.

Deniz A. soll mit Kesha direkt kommuniziert haben. Sein Anwalt Burkhard Benecken aus Marl will die Stars vorladen lassen, sagte er gegenüber wm.tv. Sie sollen die Sicherheitsvorkehrungen an ihren Computern erläutern. Laut Deniz A. seien die Passwörter leicht zu knacken gewesen. Das Amtsgericht muss über den Antrag entscheiden, ob die Stars als Zeugen zugelassen werden. Burkhard Benecken geht davon aus und erinnerte an den Bohlen-Prozess, an dem Dieter Bohlen, seine Freundin Carina, die Haushälterinb und der Gärtner teilgenommen hatten.

 

Der Verteidiger rechnet mit einer milden Strafe, vielleicht Sozialstunden, weil Deniz A. zur Tatzeit minderjährig war und gestanden hat. Dazu käme aber möglicherweise noch eine Schadensersatzklage in Millionenhöhe.


Aufgeflogen war der Cyberangriff erst, nachdem Mitglieder eines Fanclubs der US-Sängerin Kelly Clarkson misstrauisch geworden waren. Ihnen wurden unveröffentlichte Musiktitel angeboten . Sie meldeten dies einer Künstleragentur, die schließlich die Polizei einschaltete.